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Kapstadt: Township-Tour und Tafelberg

Wir sind in Kapstadt angekommen und werden mit strahlendem Sonnenschein und von einem strahlenden Gastgeber im Milton Guest House* empfangen. Das B&B liegt in Sea Point, nur 2 Minuten von der Uferpromenade und 2 Minuten von unzähligen Restaurant entfernt. Jackpot!

 

Also nichts wie Auto schnell parken, Gepäck ins Zimmer und ab zur Seafront, die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen mit Blick zum Lion`s Head. Das sind die unbezahlbaren Momente beim Reisen!

Für den Abend begeben wir uns auf eine kulinarische Reise über den gesamten afrikanischen Kontinent im Africa Café. Den Tisch hatten wir schon vorab reserviert. Die Philosophie des Restaurants ist es, die Vielfalt Afrikas zu würdigen. Es gibt hier keine Speisekarte, sondern ein festes Menü mit mehrere Gängen und einem Potpourri aus traditionellen Speisen des gesamten Kontinents. Man kann alles probieren und wenn einem etwas besonders gut schmeckt, gibt es davon auch noch jederzeit noch einen Nachschlag. Wir waren allerdings schon alleine vom Probieren mehr als satt und kugelten vom Restaurant direkt ins Uber-Taxi.

Für den kommenden Tag haben wir ebenfalls schon vorab eine Township-Tour* gebucht. Wir werden pünktlich von unserem Guide am B&B abgeholt. Da keine anderen Teilnehmer dabei sind, haben wir eine ganz private Tour und genießen das sehr. Unser Guide macht einen Abstecher durch die City und erzählt uns schon auf der Fahrt viel über die Geschichte Kapstadts, die bunte Stadt am Kap. Dann geht’s auf direktem Weg nach Langa.

 

Langa ist ein Stadtteil von Kapstadt und war bereits vor der Einführung des Apartheidsystems der erste Kapstädter Stadtteil, der für Schwarze geplant und errichtet wurde, und zählt somit zu den ersten Townships Südafrikas. Als Township bezeichnete man während des Apartheidregimes eingerichtete Wohnsiedlungen für die schwarze und die die coloured Bevölkerung. Das wohl bekannteste Township ist Soweto (Johannesburg). Langa wurde 1927 für 850 Personen gebaut, 1989 umfasste die Siedlung jedoch bereits 16.500 Einwohner, derzeit sind es vermutlich ca. 50.000.

 

Wir treffen vor einem Kindergarten einen jungen Mann, der uns in den nächsten 2 Stunden „sein“ Langa zeigen wird. Er ist eigentlich Jura-Student, kann aber derzeit die teuren Studiengebühren in Südafrika nicht bezahlen, weshalb er jetzt Touristen seine Stadt zeigt. Er hofft dabei etwas Geld zur Seite legen zu können, um künftig wieder irgendwann die Universität zu besuchen. Es ist ihm deutlich anzumerken, wie sehr er in Langa verwurzelt ist und wie wichtig es ihm ist, die Geschichte dieses Townships mit uns zu teilen und in die Welt hinauszutragen.

 

Bevor es losgeht machen wir aber noch einen Abstecher in den Kindergarten. Eine ehemalige Grundschullehrerin aus Langa hat ihn gegründet und mit Hilfe von Spendengeldern finanziert. Sie zeigt uns stolz, was sie bereits erreicht hat und welche Bedeutung Bildung für das Konzept ihrer Einrichtung hat. Die Kinder lernen bereits ab einem Alter von 4 Jahren Zahlen und Buchstaben, für uns sind das in einem Kindergarten ungewohnte Bilder.

Weiter geht’s in ein „Hostel“. Hostels sind zu Zeiten der Apartheid gegründete einfachste Sammelunterkünfte für allein lebende Männer, die im „weißen“ Gebiet arbeiteten. Ab Mitte der 90er Jahre durften die Männer dann auch ihre Familie zu sich holen und so leben teilweise noch heute bis zu 15 Personen in einem Zimmer mit geschätzt 20m². Manche der Hostels wurden bereits modernisiert und zu 2-Zimmer-Appartements umgebaut. Die Miete für ein Appartement beträgt aber ein Vielfaches gegenüber der einfachen Unterkunft und so können es sich viele Familien nicht leisten umzuziehen. Es besteht außerdem ein großer Mangel an Wohnraum, Wohnungsbau und Sanierungsprojekte kommen nur langsam in Gang oder stehen teilweise auch für mehrere Jahre wieder still. Die Menschen in Langa haben diesbezüglich ihr Vertrauen in den Staat verloren.

 

Häufig wird beim Begriff Township an Wellblechhütten und Pappkartons gedacht. Es werden eine hohe Kriminalität, Armut, Hunger, Krankheiten und hohe Gewaltbereitschaft vermutet. Diese Beschreibung trifft mit Sicherheit auf einige dieser Siedlungen zu; bei anderen hat sich die Lage erheblich verbessert. Auch innerhalb eines einzelnen Township kann es sehr unterschiedliche Verhältnisse geben. So zeigt man uns u.a. auch das „Bel Air von Langa“, hier stehen schmucke Einfamilienhäuser mit Garten. In den Townships leben auch Menschen, die gut ausgebildet sind und über ein entsprechendes Einkommen verfügen, das Township aber nicht verlassen möchten, da es ihre Heimat ist. Sie schaffen dadurch wieder Arbeitsplätze vor Ort indem sie z.B. ihr Auto in der Werkstatt um die Ecke reparieren lassen, die ortsansässigen Läden und Restaurants besuchen… und es ist noch viel mehr als das … es ist ein Zeichen und gibt Hoffnung für alle anderen, dass alles möglich ist wenn man in Bildung investiert, hart arbeitet und den Glauben daran nicht verliert.

 

Vorbei an kleinen Ladengeschäften, einem traditionellen Heiler und dem Busbahnhof mit unzähligen Minibussen, geht es für uns zurück zum Treffpunkt mit unserem Guide.

Wir sind nach diesem Ausflug sehr bewegt. Es ist schwer unsere Gefühle in Worte zu fassen. Wir durchlebten in dieser kurzen Zeit eine emotionale Gefühlsreise aus Entsetzen, Scham, Hilflosigkeit und Trauer. Aber irgendwo war da doch auch Zuversicht, Stolz und jede Menge Lebensfreude. Aus Respekt vor den Menschen und ihrer Geschichte, haben wir bewusst darauf verzichtet viele Fotos zu machen und haben einfach nur die Eindrücke auf uns wirken lassen.

 

Eine Township-Tour auf Augenhöhe (keine Massenveranstaltungen!!!) gehört für uns zu einer Südafrika-Rundreise absolut dazu. Nur wer auch in diese Welt eintaucht und den Menschen dort begegnet, lernt ein Gefühl für dieses Land und seine schwere Bürde zu entwickeln.

 

Zurück am B&B entschließen wir uns gleich weiter zum Tafelberg zu fahren und dort unser Glück zu versuchen. Die Sonne scheint und das Ticket* haben wir auch schon online gebucht, deshalb hoffen wir dass das Wetter heute hält und die Warteschlange nicht allzu lange sein wird. Wer Kapstadt nur für wenige Tage besucht, sollte die ersten Möglichkeit nutzen auf den Tafelberg zu kommen, denn bei schlechtem Wetter schließt die Seilbahn. Und regnerisches oder stürmisches Wetter kann es in Kapstadt vor allem in den Wintermonaten (Juni-August) durchaus mal geben.

 

Am Tafelberg angekommen hält sich die Wartezeit dank vorgebuchtem Ticket* in Grenzen und nach etwa einer halben Stunde stehen wir schon in der Gondel. Wir haben im Vorfeld lange überlegt, den Berg zu Fuß zu erklimmen, doch auf Grund unseres vollen Programms für die wenigen Tage in Kapstadt, blieb dafür leider keine Zeit. Das nächste Mal aber definitiv zu Fuß.

Der höchste Punkt des Tafelbergs ist 1087m hoch. Zum Massiv des Tafelberges gehören außerdem der Devil’s Peak, der Lion’s Head, der Signal Hill sowie die Berge der Zwölf Apostel. Er prägt die Silhouette Kapstadts auf unbeschreibliche Weise und man muss einfach oben gewesen sein, es ist einfach atemberaubend schön.

 

Oben angekommen gibt es kürzere und längere Rundwege und man kann sich hier herrlich verlieren. Wenn man die üblichen Touristenpfade und klassischen Aussichtsrouten verlässt, hat man viele hübsche Aussichten zu allen Seiten auch für sich alleine und kann ganz in Ruhe genießen.

Das böse Erwachen kam allerdings mit der Talfahrt. Die vielen Menschen auf dem Tafelberg wollen nämlich auch alle wieder am Abend nach unten, und so hatten wir leider eine Wartezeit von über einer Stunde bis wir endlich mit der Seilbahn in Richttung Talstation konnten. Den Sonnenuntergang über dem Meer vom Tafelberg aus zu sehen, entschädigte aber dafür auf ganz besondere Weise.

 

Den Abend beschließen wir dann bei Pasta&Pizza in Sea Point. Wir sind schon gespannt was der kommende Tag für Erlebnisse bringen mag.

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